Willkommen beim Kletterverein Buschmühle 97

bergsteigen ist die Kunst, auf dem Umweg über einen Gipfel unter Lebensgefahr zu der Stelle zurückzukehren, an der man sich sowieso schon befunden hat

Freitag, 29. Mai 2009

Zwee Saxn off Märseillängnduur

Hallo zusammen,
wie der/die ein oder andere von euch weiß, waren Steffen und ich unlängst in den alpinen Ausläufern der französischen Alpen auf der Suche nach längeren Seil-Abenteuern. Und soviel kann ich vorab schon sagen, es gibt sie!!! Aber langsam, so ein Eintrag will spannungsbogenmäßig langsam und solide aufgebaut sein.

Also, wo waren wir überhaupt? >>> Das Gebiet nennt sich Vercors, ist wunderschön und besteht mehr oder weniger aus Kippschollen - so sieht es zumindest aus. Auf dem Bildchen ist ganz gut die geographische Lage zu erkennen. Naja auch von Rosenheim nicht grad um die Ecke...

Der Ort, um den sich die Kletterei unter anderem konzentriert, heißt Presles. Da haben wir uns auch gleich mit dem 2009 Führer ausgestattet, und ab da jeden Abend grübelnd drin geschmökert.

Um uns etwas mit der kalkigen Materie bekannt zu machen, beschlossen wir den ersten Tag in einem von drei Einseillängensektoren die Fitness zu testen. Dummerweise haben wir nicht nur die Fingerkraft sondern auch die "Langfingrigkeit" erprobt - dies aber noch bemerkt und den Absoluten Beginnern die Schuhe wieder gebracht :-)

Links im Bild befindet sich besagter Trainingsriegel, und oben drauf haben wir genächtigt. Am Nachmittag haben wir im zweiten Anlauf (es begann kurz zu regnen) noch eine Einsteigertour für Mehrseillängen gemacht, wobei sich uns gleich die erste Erfahrung aufgezwungen hat - MACH DEN RUCKSACK SO LEICHT WIE MÖGLICH! Das musst am nächsten Tag nochmals bestätigt werden - in zwei 100 m Wegen.

So gut mental vorbereitet (Lektion 1) wie wir nach diesen beiden Tagen der Reise waren, beschlossen wir beim abendlichen Bierchen, am nächsten Tag die erste längere (aber einfache!) Route zu knippsen. Also wagten wir einen Blick um die Ecke ... *schlugg* - das ist nix für Turnbeutelvergesser!
Der Aufstieg zum Wandfuss war schwierig und wir irgendwo zwischen Vorfreude und Anspannung gefangen. Beides löste sich nach ner 3/4 Stunde jedoch schlagartig, als mir mitten im Geröllfeld (kurz vorm Einstieg) auffiel, dass wir etwas Wichtiges vergessen hatten: DAS SEIL! > BULLSHIT, wir Turnbeutelvergesser mussten zurück! Also versteckten wir die Sachen und nach nur einer Stunde standen wir voll ausgerüstet wieder am selben Ort. Bis zum Einstieg ging’s dann klettersteigähnlich dahin, und schon kam der nächste Schock: Wo waren die Bohrhaken? Die nächsten beiden Lektionen waren soeben gelernt:
2: Zu leicht darf der Rucksack auch nicht sein - da könnte nämlich was fehlen, und
3: die Anzahl der Bomben in den Routenbeschreibungen kennzeichnet die Absicherung (und zwei Bomben ist eine zu viel, da die Route selbst abzusichern, und nur hier und da mal ein verrosteter "Nagel" vorhanden ist!)

Jetzt hatten wir uns erstmal ein Bad verdient & genommen, um anschliessend noch was Einseillängiges zu machen. Außerdem musste der Nahrungsvorrat aufgefüllt werden. Das geschah im malerischen Ort Port-en-Royans.

   

Die Erkenntnis der teilweise "schlechten" Absicherung ließ die Auswahl an machbaren bzw. zumutbaren Routen weiter schrumpfen. Trotz-desto-nichts

fanden wir noch ein paar, von der eine am nächsten Tag abgehakt werden sollte. Ich will gar nicht so sehr drumherum reden - so sehen glückliche "Sieger" aus. >>> 

Die Route bestand aus bis zu 9 Seillängen, war knappe 150 m lang und hatte von grün bis griffig alles zu bieten. Am Respekt einflößendsten war die Schlange am Einstieg...und da meine ich die ohne Füße.




Jetzt waren wir natürlich voll auf den Geschmack gekommen, aber trotzdem: der Respekt war noch da. Die Fitness sollte am nächsten Tag entscheiden, was wir machen - schliesslich standen schon 4 Klettertage zu Buche. Tja, und am nächsten Morgen war das Fleisch willig und die Greise äh der Geist auch! Gezwungenermaßen mußten wir ne Route anpeilen, von der wir an einem Vortag schon gedacht hatten, so was wird unsere Abschlussparade (rote Linie).
Der Einstieg befindet sich geschätzte 300 m über der Talsohle, und von da aus geht dann es ca. 220 m Schnur-strax nach oben. An diesem Tag war uns das Glück der Tüchtigen hold. Schon an den Vortagen beobachteten wir oft, wie Regenwolken immer wieder Anlauf in unsere Richtung nahmen, um ihre nasse Ladung über uns zu ergießen, was sie an diesem Tag auch schafften. Die letzten beiden Seillängen gingen richtig ans Eingemachte: einerseits waren es die höchsten und schwersten und dann stand uns der Regen im Nacken (dies war besonders unentspannend, da man in 200 m Höhe nicht so einfach abseilen kann). Um auf das Glück zurückzukommen, meinen letzten Kletterzug
machte ich mit den ersten Tropfen – es regnete die nächsten 24 Stunden…unsere Freude über den Triumph konnte das Wetter erstmal nicht trüben!


Der vorsichtige Sachse macht bekanntlicherweise bei/nach Regen erstmal nix. Der kurze Blick aufs Europawetter war auch nicht besser als der aus dem Fenster, daher beschlossen wir die Kletterschuhe an den Nagel zu hängen und die in die Wanderbotten reinzufahren, um die schöne Landschaft zu erkunden. Der kleine Gewaltmarsch (600 Höhenmeter in 1 ¼ Std.) war die Anstrengung auf alle Fälle wert – der Regen hatte den Staub weggewaschen!
Den Abschluss einer tollen Kletterwoche im Vercors bildete eine kleine Wanderung durch eine der vielzähligen Klamms.

So liebe Leute, das war mal ein kleiner Reisebericht aus Frankreich. Wer Bock und/oder Interesse hat, dem gebe ich gern mal den Führer zur Hand oder ausführlicheres verbal auf Ohr.

Seid lieb gegrüßt
Enrico

2 Kommentare:

krs hat gesagt…

Da kann ich nur ein Berg Heil zu sagen, wie immer sehr erheiternd geschrieben.

na bloß gut, dass der Regen erst einsetzte als ihr(du) oben wart...schaurige Vorstellung in 200m höhe vom Regen überfallen zu werden...

Liebe Grüße aus Delft

Kay hat gesagt…

schöne Sache!!! werd ich doch glatt neisch :-)